Am nächsten Tag nichts wie los, raus auf die Inseln. Zuerst steuern wir Havelock an, eine der wenigen Insel auf denen es Resorts gibt. Auch Elefanten kann man hier manchmal antreffen – wir haben leider nur Elefanten Fußabdrücke am Sandstrand gefunden. Wir müssen die gesamte Zeit unsere Bestätigung vom Hafenkapitän mithaben, dass wir auch legal anlanden dürfen. Manche Insel darf man bei Tag und Nacht, andere nur bei Tag und einige gar nicht betreten. Wir wollen die wenig verbliebenen Naturvölker sowieso nicht stören und verzichten auch auf einen Besuch von Little Andaman, wo man von Autos und Bussen aus in einem Reservat ansässigen Urvölker begaffen kann. Was, wie wir herausgefunden haben, eigentlich illegal ist und von der indischen Regierung verboten wurde. Trotzdem wird es noch gemacht.

Auch passen wir beim Schwimmen und Schnorcheln auf, denn auf den Andamanen soll es große „Salties“ - Salzwasserkrokodile - geben. Zum Glück finden wir weder Spuren noch sehen eines dieser Geschöpfe auf unserer Reise.
Auf Havelock schauen wir uns erst mal die Riffe genauer an, die leider wie wir schon erwartet haben, eher Schutthalden gleichen. Wir vermuten dass das zum Großteil am furchtbaren Tsunami 2004 liegt. Allerdings haben uns andere Segler von Riffen in gutem Zustand berichtet, und die waren um 2008 da. Vermutlich hat die starke Korallenbleiche im Jahr 2010 den meisten Steinkorallen im Seichtwasser den Rest gegeben. Riesige Geröllwüsten lassen auf deprimierende Weise noch die herrlichen, verlorenen Geweihkorallen-Kolonien erahnen.

Was auch immer die Ursache für die toten Riffe hier ist, Tatsache bleibt dass sich die Riffe auf der thailändischen Seite inzwischen recht gut erholen haben. In Malaysien, nordöstlich von Singapur, haben wir später sogar erstaunlich intakte und ungeheuer artenreiche Riffe gefunden (siehe blog über Tioman). Auf den Andamanen ist nicht mal der kleinste Nachwuchs zu sehen. Es fehlen offensichtlich sogar die Larven der Korallen.
Wir haben auch die Vermutung, dass sich die Riffe hier nur aus wenigen Arten zusammengesetzt haben und somit auf äußere Einflüsse stark reagieren. Der Grund dafür sind möglicherweise die heftigen Tropenstürmen, die jedes Jahr mit voller Wucht über die Andamanen fegen. Der Großteil der Küsten hier ist deren Wucht direkt ausgesetzt. Direkte Verschmutzung oder Überfischung dürften wohl keine Rolle spielen, da es weder Industrie noch große Städte oder viel Fischerei gibt. Wir haben in all den Wochen kein einziges Fischerboot gesehen. Daher auch der große Fischreichtum.

Wir bewegen uns zuerst mit dem Boot Richtung Süden und den zwei Inseln North und South Cinque, die einer Spezialgenehmigung des Forestry Department bedürfen. Hier gefällt es uns besonders gut, der Strand auf South Cinque ist bis jetzt der schönste den wir gesehen haben. Wir bleiben die vollen zwei Tage, die unser Permit gestattet und erkunden die Insel.

Dann weiter mit einem Tauchgang im Süden, bei dem wir jede Menge großer Fische bewundern können, geht es über Passage Island und den Sisters schlussendlich zu den Brother Islands. Wobei uns South Brother sehr gut gefällt. Dort sehen wir unsere ersten Dugongs (Seekühe – Dugong dugon) denen wir gerne mit den Kajaks näher gekommen wären. Leider sind sie aber relativ scheu und lassen sich nicht mehr blicken.

Nach diesem wunderbaren Swimmingpool mit herrlich warmem türkis-blauem Wasser bei South Brother Island verabschieden wir uns vom Süden und segeln wieder Richtung Port Blair, wobei wir eine Gruppe von Risso's Dolphins (Grampus griseus) beobachten können. Sie haben einen runden Kopf, eine relativ lange Rückenflosse und sind so um die 3m groß.

Wir begleiten die Gruppe von 15 – 20 Stück eine Zeit lang bevor wir uns Richtung Port Blair verabschieden.
Dort ankern wir bei der vorgelagerten Insel Ross Island. Hier stehen noch Reste der Verwaltungsgebäude, die 1941 bei einem Erdbeben zerstört wurden. Auf Ross Island war über Jahrzehnte eine florierende Stadt mit allem was dazugehört. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Strafgefangene dorthin geschickt, um sie von der Zivilisation und anderen Gefangenen fern zu halten. Nach dem Erdbeben flohen die meisten Bewohner bzw. siedelten langsam ins nahe gelegene Port Blair um. Auch die Headquarter wurden nach Port Blair verlegt. Die Insel war Zwischenzeitlich unter Japanischer Herrschaft (1942-1945) bevor sie die Briten wieder übernahmen. Aber da war vom ursprünglichen Glanz nicht mehr viel übrig. Nun ist Ross Island zu einem Museum geworden und wird von der Navy verwaltet. Im Jahre 2004 tat Ross Island Port Blair einen riesigen Gefallen und fing die Wucht des Tsunamis auf. Die Folgen für die Insel in Form von zertrümmerten Brandungswällen und Fußwegen bis weit über Meeresniveau können wir auch jetzt noch ungläubig bestaunen.

Während des Tsunamis und Erdbebens in 2004 wurden auch Teile der Insel über einen Meter angehoben und andere Teile versanken einen Meter im Meer und alle Inseln wurden weit verschoben. Sodass die Realität mit den nautischen Karten jetzt nicht mehr überein stimmt.

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