Bevor wir Richtung Barren Island aufbrechen müssen wir uns leider von Karo und Bernhard verabschieden, die aus Termingründen früher nach Hause fliegen. Der Rest von uns macht sich bei einer Nacht- und Tagfahrt - aufgrund des mäßigen Windes - auf den Weg Richtung Osten. Barren Island ist eine Vulkaninsel, mit einem aktiven Schichtvulkan mit pyroklastischen Eruptionen (Aschewolken) dessen letzter größerer Lava Ausbruch um 2005 stattgefunden hat - offenbar in Zusammenhang mit dem großen Tsunami-Erdbeben von 2004.

Das beeindruckendste über Wasser ist natürlich der Vulkankegel, aus dem immer wieder Aschewolken quellen. Unter Wasser ist es definitiv der dunkle Sand. Es schaut echt unheimlich aus, wenn man über die dunkelgraue Mondlandschaft schnorchelt bzw. taucht.

Man kann Barren Island überhaupt nur im Februar und März besuchen, da es aufgrund der vorherrschenden Windrichtungen an Ankermöglichkeiten während der restlichen Zeit mangelt. Die Insel ist ziemlich rund und hat auch nicht wirklich geschützte Buchten.
Im Februar und März ist das Wetter generell ruhig und windarm, sodass sich auf der Westseite drei Ankermöglichkeiten bieten - allerdings oft mit Ascheregen inklusive. Im Cruising Guide werden sie als Anchorage A, B und C bezeichnet, ich habe ihnen aber folgende stimmige Namen gegeben. Anchorage A nenne ich Manta Bay, da wir sogar schon beim Erkunden mit dem Dinghi unter uns Mantas (Manta birostris) gesichtet haben. Gar nicht zu reden von den über 10 Stück - da hab ich zum zählen aufgehört - während unseres Manta Tauchgangs am letzten Tag. Ich hatte das so im Gefühl, will ich nur sagen ;-) Um die Insel herum geht es überall gleich auf mehr als 2.000 m runter und man kann hier oft große Hochseetiere sehen. Das gefällt den Mantas offenbar die hier ganz im Seichten (bis 2 m) ihre Kreise ziehen (siehe Video).

Die Anchorage  B nenne ich Deep Current Bay, wo wir nur zu zweit - Tom und ich - im Wasser waren. Zuerst wenig spektakulär ist nur Aschesand zu sehen, der aber recht schnell in die Tiefe verschwindet. Im Sand sind flächendeckend Röhrenaale (Heterocongrinae) zu sehen, die sich aber schnell in den Sand zurück ziehen wenn man ihnen zu Nahe kommt. Zuerst tauchen wir ein wenig den Abhang runter und sind erstaunt was da so von unten heraufkommt. Ein Schwarm großer Stachelmakrelen, zwei echt riesige Thunfische und einige andere Fischschwärme ziehen ihre Kreise. Die Strömung den Abhang hinunter wird immer stärker und wir müssen schon stark dagegen anschwimmen um nicht in die Tiefe gezogen zu werden. Beim Austauchen im seichteren Wasser schwebt dann ein majestätischer Manta über uns hinweg und verschwindet in der Tiefe.
Die Anchorage C endlich wird in Lava Bay umbenannt, nachdem sie sich direkt vor dem erstarrtem Lavastrom befindet. Und hier finden wir das offenbar einzige intakte Korallenriff der Andamanen (Danke Dieter für den Tip!) Der Anblick der wunderbar filigran geformten Acropora-Stöcke hebt die Stimmung nach all den Friedhöfen der vergangenen Tage.

Die Kolonien sind nicht sehr alt. Natürlich haben sie sich erst nach dem Erkalten des Lavastroms von 2005 hier ansiedeln können. Dennoch erreicht der Bedeckungsgrad mit (relativ wenig Arten von) Steinkorallen an die hundert Prozent. Auch sonst gibt es hier viel zu sehen wie zum Beispiel Weißspitzen-Riffhaie (Triaenodon obesus), Napolen-Lippfische (Cheilinus undulatus), jede Menge Fahnen- (Anthiinae) und Riffbarsche (Pomacentridae), Kaninchenfische (Siganidae) und vieles mehr. Daneben geht eine Steilwand senkrecht in die Tiefe die von Schwämmen, Langusten und auch Gorgonien besiedelt ist. Hier bleiben wir länger als wir laut unserem Reiseplan eigentlich dürften und genießen das wunderschöne Korallenriff. Wenn die Coastguard fragt - wir hatten Motorprobleme ...
Nach einem Umsegeln der Insel bleiben wir noch eine Nacht in der Manta Bay, wobei wir dann am Morgen unsere Pakia tea voll Aschesand vorfinden. Irgendwann hat es uns ja erwischen  müssen. Schnell noch ein Tauchgang (der zum Highlight des ganzen Törns werden sollte) und dann nichts wie weg. Der Sand geht gut weg und so ist das Boot bald wieder sauber.
Es geht direkt nach Port Blair, wo wir noch mal Lebensmittel bunkern, ausklarieren und über Funk mit den Worten „See you again next year!“ verabschiedet werden. Die Überfahrt wird etwas lähmend, da wir keinen Wind haben und die gesamte Mannschaft mit Ausnahme von Keanu und mir, einen Virus beim letzten Essen in Port Blair eingefangen hat. Mit Gliederschmerzen, Fieber, Übelkeit und Müdigkeit liegen alle 1 bis 3 Tage flach. Wir erwischen gegen Ende auch einige Squalls und Gewitter, aber überstehen alles und landen wieder gut in Thailand. Ein Hoch auf die tolle Mannschaft, unsere Abenteuer und wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Elke & Martin - Team Bier, weil sie Bier lieben - Karo & Bernhard - Team HNO, weil sie anfangs mit eine starke Erkältung hatten - und Bigi und Gunther - Team Magen, weil sie beide mit Seekrankheit zu kämpfen hatten, sich aber bei den Überfahrten tapfer geschlagen haben.

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