Die Korallenriffe hier haben uns positiv ueberrascht, nach den Bildern der Vernichtung die wir von Malaysien, Thailand und vor allem den Andamanen gewohnt waren (mit wenigen Ausnahmen). Wir hatten weit schlimmere Zustände erwartet, nach der grossen Bleiche 1998 und einer etwas weniger weitreichenden Zerstörungswelle 2010. Die Riffe, zumindest innerhalb der Atolle, haben sich an vielen Stellen sehr gut erholt, auch wenn man immer wieder auf kaputte Areale trifft. Die Aussenriffe hingegen tun sich offenbar durch die starke Exposition schwerer. Dort sind eher kleinere Kolonien und weniger Arten zu sehen, die langsamer wachsen.
Das maledivische Archipel ist eines der wichtigsten Riffgebiete im Indischen Ozean und wird in 26 Atolle aufgeteilt. Sogar Das Wort „Atoll“ selbst kommt von hier - es leitet sich aus dem Wort „atholhu“ in Dhivehi, der maledivischen Sprache, ab und bedeutet „ringfoermig, auf einen Kranz angeordnete Inseln“. Ein Atoll entsteht unabhaengig vom Festland mitten im Ozean und war urspruenglich eine Vulkaninsel an deren Saum sich ein Ringriff gebildet hat. Waehrend die Vulkaninsel langsam im Meer versank, wuchsen die Korallen am Rand weiter und so entstand dann der typische Korallenring bzw. das Atoll. Die Malediven haben sich wahrscheinlich aus einem Gebirge entwickelt, das wieder im Meer versank, waehrend die Saumriffe die es umgaben sich weiter ausdehnten und von den zentralen Bergen entfernten. So blieben schliesslich Riffe uebrig, die kreisfoermig eine Lagune umgeben - die Atolle. An deren Rändern gibt es Kanaele durch die das Wasser in die Lagune ein- und ausstroemt. Dort herrschen oft starke Stroemungen vor, trotzdem oder gerade deshalb sind es beliebte Tauchplaetze, weil man hier viele Grossfische beobachten kann. In den Atollen gibt es wiederum kleinere Ringriffe mit Lagune und oft einer kleinen Sandinsel, so genannte Pseudo-Atolle oder Faros. Sandinseln gibt es an die 1200!

Coral reef in Ari atoll at low tide
Coral reef in Ari atoll
ring reef with lagoon-channel in the center and sand islands
Coral reef in Hagrandhoo atoll

An einigen Stellen, wo wir schnorcheln waren, findet man inzwischen wieder eine Korallenbedeckungen von bis zu 80% mit vielen Fischen, auch Haie sind immer wieder beobachten. Vor allem Schwarzspitzen- (Carcharhinus melanopterus) und Weißspitzen-Riffhaie (Triaenodon obesus) trifft man nahezu bei jedem Schnorchel- oder Tauchgang. Man muss sich erst wieder daran gewoehnen diese imposanten Jaeger regelmaessig anzutreffen. Tiefer unten sieht man hin und wieder auch graue Riffhaie (Carcharhinus amblyrhynchos), von denen wir viele junge Exemplare in den suedlicheren Atollen (z. Bsp. Gaafu-Atoll) beim schnorcheln gesehen haben.
In den Kanaelen am Rande der Atolle sollte man ohne Riffhaken wegen der starken Stroemung nicht tauchen gehen. Dafuer sieht man dort auch immer wieder Haie, grosse Barrakudas (Sphyraena barracuda), verschiedene Stachelmakrelen, Leopardenhaie (Stegastoma fasciatum) die am Boden rasten, und noch vieles mehr. Riff-Mantas (Manta alfredi) gibt es hier auf den Malediven noch viele. An bekannten Putzerstationen findet man regelmaessig viele Individuen und man kann sich Zeit nehmen beim Beobachten der sanften Meeresvoegel. An manchen Stellen wie beim Eingang des kleinen Vattaru Atolls konnten wir jedesmal die kleineren Verwandten, Mobulas, beobachten. Sie sind leider recht scheu und verschwinden sehr schnell im Blau des Ozeans. An den Riffkanten aber auch innerhalb der Atolle finden sich gefleckte Adlerrochen (Aetobatus narinari) die manchmal auch recht neugierig sind und nahe kommen.
Die dominanteste Korallengattung ist wohl Acropora, die es in allen moeglichen Varianten zu bestaunen gibt. Von fein verzweigt bis gross und teller- bzw. tischfoermig ist alles vorhanden.
Generell hatten wir den Eindruck, dass je weiter suedlich die Atolle von Male' liegen desto schoener und artenreicher die Riffe und ihre Bewohner sind. Leider hatten wir auf Grund des schlechten Wetters keine Gelegenheit im suedlichsten Atoll - Addoo - schnorcheln zu gehen. Dort soll das Aussenriff im Gegensatz zu den anderen Malediven-Atollen noch im besten Zustand sein.
Was uns noch aufgefallen ist, dass die großen, standorttreuen Fische über weite Strecken fehlen. Wir haben diese meist nur in abgelegenen oder schwer erreichbaren Riffen gefunden. Das deutet darauf hin dass von der lokalen Bevoelkerung viel Speerfischen betrieben wird.
Unsere Unterwasserschaetze sind in unserer UW Bildergalerie der Malediven zu bewundern. 

 

project manaia

Krüss Mikroskope